Ein Leben am Limit

Welche Gedanken jagen uns durch den Kopf, wenn wir mit 200km/h auf eine Kurve zurasen und plötzlich das Gefühl bekommen, dass die Rennlinie nicht aufgehen könnte? Für uns Durchschnittsschweizer gibt es wohl nur ein Gefühl, dass in diesem Moment dominiert: Pure Angst. Für Julien? Adrenalin pur! 

Julien Apothéloz ist achtzehn Jahre alt und besucht das Gymnasium. Seine größte Leidenschaft gilt jedoch dem Motorsport. Im letzten Jahr hat er den Einstieg in den Tourenwagen-Rennsport gefunden und plant nun endlich den großen Durchbruch. 

Der Ursprung seiner Leidenschaft befindet sich schon einige Jahre in der Vergangenheit. Juliens Vater fuhr Bergrennen und konnte mit seiner Faszination für den Motorsport auch seinen Sohn zu dieser Sportart bringen. Als Julien mit neun Jahren seine ersten Kartrennen fahren konnte, ging für ihn ein erster großer Traum in Erfüllung. Über die vielen Jahren hinweg, durchlief Julien jegliche Kart-Kategorien und landete schlussendlich beim Tourenwagen-Rennsport. 

«Das Gefühl, am Limit zu sein, ist so faszinierend!»

Diese Gedanken, welche Julien immer wieder durch den Kopf schießen, wenn er mit 200km/h auch eine Kurve zurast, sind das wohl Faszinierendste, was es im Rennsport gibt. «Das Gefühl, am Limit zu sein, ist so faszinierend!», schwärmt Julien. Schlussendlich geht der Plan dann trotzdem auf und der kurze Adrenalinkick lässt wieder nach – zumindest bis zur nächsten Kurve. Mit Highspeed auf eine Kurve los zu brettern ist wohl das, was den Motorsport so speziell und einzigartig macht. Die Konzentration darf jedoch nie verloren gehen und die Kontrolle über das Fahrzeug, muss immer beim Fahrer selbst bleiben.

«​Ich fühle mich wie in einem Tunnel und konzentriere mich voll und ganz aufs Rennen.»

Bereits vor dem Rennen ist die Anspannung hoch und die Konzentration wird plötzlich zu einem der wichtigsten Aspekten. Julien konzentriert sich am besten, wenn er Ruhe hat. Keine Hektik, kein Stress – einfach Ruhe und Gelassenheit. Das Rezept zum Erfolg beginnt schon vor dem Rennen. «Ich lasse mir alles noch einmal durch den Kopf gehen, mache mich bereit und steige ins Auto.», erklärt Julien. Diese Routinen sind wichtig, da man sich nur so voll und ganz auf das Rennen konzentrieren kann. Sobald man dann im Auto sitzt, legt sich die Nervosität und auch der Druck. Julien wartet dann nur noch darauf, dass die Lichter löschen und es endlich losgehen kann.

“Ich versuche bewusst, keine Rituale vor dem Rennen zu haben!”

Wohl jeder Sportler hat ein ganz persönliches und eingespieltes Ritual, welches er vor dem Wettkampf akribisch verfolgt. Julien nicht – und das bewusst nicht! «Ich versuche bewusst keine Rituale vor dem Rennen zu haben, weil ich der Meinung bin, dass wenn ich mal eines vergesse, mich das Gefühl plagen könnte, dass es heute nicht klappt!» Für ihn reicht es, wenn er sich vor einem Rennen genügend Zeit nimmt und so in den Flow kommt.

“Angst habe ich nicht und ich denke, dürfte ich auch keine haben.”

Achtzehn Jahre jung und schon eine so große Risikobereitschaft – für Julien gehört das zur Leidenschaft dazu. Angst hat er aber trotzdem nicht. «Wenn man Angst hat, macht es keinen Spass und wenn es keinen Spass macht, ist es eine Qual. Eine Kombination, welche sich im Motorsport nicht sehr positiv auswirkt», meint Julien. Wichtig sei es aber, den richtigen Respekt für die hohen Geschwindigkeiten mitzubringen. Natürlich gibt es da auch noch den Respekt vor der Konkurrenz – dieser wiederum, spielt aber eine ganz andere Rolle. Grundsätzlich findet Julien aber: «Man sollte sich nicht zu sehr auf das alles konzentrieren. Wenn man die Gedanken einfach im Hinterkopf behält, reicht das vollkommen.»

“Mein Vater ist wohl mein größter Fan überhaupt!”

Das Benzin im Blut hat Julien ganz klar von seinem Vater geerbt. Damit klärt sich auch die Frage, wer denn der größte Fan überhaupt von Julien ist. «Für meinen Vater ist jedes Rennen wohl eine ganz spezielles Situation.», meint Julien. Als ehemaliger Motorsportler kennt er die Gefühle und das Adrenalin, welches einem durch die Adern schießt ganz genau. Die Eltern von Julien fiebern bei allen Rennen immer ganz eifrig mit und verfolgen das Rennen vom Streckenrand. «Meine Mutter vertraut mir in dem, was ich mache. Vielleicht auch deshalb ist sie immer relativ locker.», erzählt Julien stolz. An moralischer Unterstützung fehlt es Julien dadurch keinesfalls. Das ganze sieht ein wenig anders aus, wenn es um die finanzielle Unterstützung geht. Aus diesem Grund startete Julien sein Projekt auf I believe in you. 

“Der Motorsport ist ein aufwendiger und teurer Sport”

Gerade in der Anfangsphase der Motorsport-Karriere ist eine grosse Unterstützung notwendig, damit der Durchbruch auch geschafft werden kann. Das Projekt von Julien befindet sich im Endspurt und damit Julien den Schritt zum Profi-Rennfahrer schafft, braucht es nun noch die Unterstützung von allen Motorsport-Begeisterten!


«Viele Leute vergleichen denn Rennsport mit dem Autofahren – das kann man überhaupt nicht.»

Neben der Rennstrecke ist Julien lieber ruhig mit dem Auto unterwegs. «Ich habe die Möglichkeit, mich in meiner Sportart auszupowern und Gas zu geben, dann muss ich das nicht auch beim Autofahren machen.» Der Rennsport bedeutet nicht nur ins Auto sitzen und losfahren. Da gehört noch viel anderes dazu. Trotzdem gibt Julien gerne auch auf anderen Pisten Gas, zum Beispiel auf der Skipiste. 

“Durchziehen! Auch wenn es nicht immer so läuft, wie erhofft.”

Der Motorsport gibt Julien nicht nur einen Raum, Adrenalin zu verspüren und den Kopf zu lüften. Er lernt ihm auch wichtige Aspekte des Lebens. Nicht aufgeben! Durchziehen! Den Kopf nie hängen lassen! «Ich weiss, wie ich mit Rückschlägen umgehen muss.», sagt Julien. Nach einem schlechten Rennen wird dieses abgehakt und weiter nach vorne geschaut – das nächste Rennen folgt nämlich schon bald. Ein Leben am Limit, mit vielen Up’s and Down’s. Für viele unvorstellbar – für Julien aber genau das, was ihn glücklich macht!

 

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